Halbschwarz? Mulattin? Halfcast?

Es gab schon viele Namen für mich und meine „Mischung“. Mit nichts konnte ich mich je identifizieren, aber wenn andere eine Bezeichnung brauchten, ich konnte damit leben.
Nur Neger wollte ich nie genannt werden und wenn ich mich dagegen gewehrt habe, hatte ich unfassbar oft eine sinnfreie Diskussion am Hals. 😠
Ganz ehrlich, wenn jemandem eine Bezeichnung nicht gefällt, warum muß man dann noch diskutieren? Zumal ich die Gesprächspartner wenig kompetent fand, diese Frage mit mir zu erörten.

In der Zeit als junges Mädchen kamen regelmäßig Wildfremde auf mich zu, um meine Haare anzufassen, weil SO Haare, da wollten sie schon immer wissen, wie die sich wohl SO anfühlen…

Hin und wieder befand es jemand für angemessen mir zu raten, ich solle doch bitte dahin gehen, wo ich hergekommen sei.
Solche Aussagen haben mich zu tiefst verstört. Aus meiner Sicht war ich nämlich da, wo ich hergekommen war. Ich kannte kein anderes Zuhause (aus meiner Erfahrung kommen Menschen da her wo sie geboren sind, das empfinden sie als ihre Heimat)…

so gesehen, gerade bei hier geborenen, dunkelhäutigen Kindern eine äußerst unsinnige Art und Weise sie zu beleidigen. Ich persönlich habe die Aussage nie wirklich verstanden, ich wäre immer gerne da hingegangen, wo ich hergekommen bin, aber ich wusste nicht, wo dieser Ort hätte sein sollen.

Beliebt war auch der Hinweis, dass ich unter Umständen Schwierigkeiten haben könnte, einen Mann zu finden, denn welche Schwiegereltern würden schon dunkle Enkel wollen.

Fürs Selbstvertrauen waren solche Erlebnisse nicht gerade förderlich.

Weitaus häufiger in meinem Leben waren Menschen aber regelrecht verzückt von meiner dunklen Hautfarbe.

Was mir natürlich lieber ist 😉.

Das eigentlich wesentliche ist aber, daß meine Hautfarbe immer präsent ist.
Ich brauchte mir in der Pubertät nicht die Haare grün färben oder die Nase mit Ringen durchstechen.
Auffallen oder nicht, war bei mir nicht die Frage.

Sondern, wie NICHT auffallen?

In dieser Phase meines Lebens habe ich nämlich so getan als sei ich weiß.
Ich wollte keinen Unterschied sehen, also war da keiner – PUNKT.
Und wenn jemand mich auf meine Hautfarbe angesprochen hat, dann hab ich mich erinnert, ja stimmt ja, Du bist ja dunkler als der Rest. Mist, hat es wieder einer bemerkt.

Bei den meisten Menschen hatte ich ohnehin das Gefühl, dass sie mich aus Rücksicht nicht „darauf“ angesprochen haben, um mich nicht unnötig „damit“ zu belasten.

Weiße Menschen haben das Privileg, für sich selbst zu entscheiden, ob das Thema Hautfarbe für sie eins ist, oder nicht.

Für mich ist es immer Thema.

Später habe ich gelernt bewusster damit umzugehen und auch Vorteile darin zu sehen.

Die Aufmerksamkeit von Menschen zu haben, kann auch positive Aspekte haben. Desto älter ich werde, desto mehr lerne ich das zu schätzen, auch weil sie stetig schwindet.

Glücklicherweise hat sich das Aufwachsen und Leben von dunkelhäutigen Kindern und Menschen in Deutschland stark verändert.
Gab es zu meiner Kinder- und Jugendzeit höchstens eine Handvoll dunkler Kinder in meiner weitläufigen Umgebung, gibt es heute sogar eine dunkelhäutige Barbie zu kaufen (und das nicht, weil ich sie mit Edding angemalt habe 😉).

Und das ist gut so 😊.

Mit großer Freude sehe ich sie heute aufwachsen, oftmals sogar mit beiden Elternteilen. Für mich damals eine Traumvorstellung,

👍 dazu beim nächsten Mal mehr…

Eure Sally

Halbschwarz? Mulattin? Halfcast?

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