Jeder kennt das von sich, man sieht jemanden, hat irgendwelche Erfahrungen mit einer ähnlich aussehenden oder ähnlich wirkenden Person gemacht und schon setzt er ein, dieser Automatismus.
Unwillkürlich. Unfreiwillig. Unbewusst.

Alle Klischees finden Anwendung.

Ich habe in letzter Zeit Menschen ganz unterschiedlicher Coleur kennenlernen dürfen und ohne…

Schublade auf, reingesteckt, Schublade zu…

ging das nie von statten.

Vor vielen Jahren bin ich das erste Mal bewusst über dieses Thema gestolpert. Ich hab keine Studien gelesen oder so, aber ich habe eine persönliche Erfahrung  gemacht, die ich bemerkenswert finde.

Mein damaliger Chef hat mir in einem Beurteilungs“abschieds“gespräch gesagt, er wundere sich darüber, dass ich es irgendwie geschafft hätte, dass er seine Schublade für mich nochmal öffnet.
Ich wisse ja, der Mensch sei von Schubladendenken geprägt. Standard bei ihm sei, nach einmaligem Schließen, diese Schublade nicht mehr zu öffnen.

Da er mich vom ersten Augenblick an in der Schublade „FRAU, gehört tendenziell überall hin, aber nicht in die IT“ gesteckt hatte, habe er es mir in gewissen Situationen unnötig schwer gemacht. Auf Dauer habe ihm meine Beharrlichkeit dann aber imponiert.“

Aha.

Im Grundsatz ein schönes Kompliment, aber beim Näheren hinsehen auch total schräg.

Will sagen, Deine Beharrlichkeit imponiert mir, weil Du weitergemacht hast, obwohl ich stetig den Schwierigkeitsgrad erhöht habe, um die Schublade, in die ich dich gesteckt habe, nicht öffnen zu müssen?

Echt jetzt?

Für mich hat es sich angehört wie: „Ich hab dich schlicht und ergreifend aufgrund deines äußeren Erscheinungsbildes für nicht fähig gehalten, die Aufgaben HIER zu meistern.“

Sowas ist total gemein, aber streng genommen menschlich. Ganz normal, wenn man ehrlich ist. Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der das nicht tut, andere in Schubladen zu schieben.
Unsere Fähigkeit, ab und zu einen kritischen Blick auf uns selbst zu richten, die ist es, die uns besonders macht. Hin und wieder ist ein interessierter Blick in eine unserer Schubladen lohnenswert…

In den letzten Monaten habe ich unglaublich persönliche Einblicke bekommen in die Gedankenwelt von anderen Menschen, ein zweiter oder dritter Blick in die Schublade hat sich bis jetzt immer gelohnt!

Skurril, aber im Nachhinein bin ich ihm dankbar für diese entwaffnende Ehrlichkeit.

Wer gibt schon gerne, wenn auch durch die Blume, zu: „Ich war das totale Arschloch und das sehe ich jetzt sogar noch ein.“

Stehen bleibt der Eindruck von „Größe“ ? Oder was denkt ihr?

Eure Sally

Schublade auf, reingesteckt, Schublade zu.

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